Drohender Vulkanausbruch – was tun?

Seit Mitte August 2017 ereigneten sich immer wieder kleine Erdbeben auf Bali. Am 19. September wurde beim Vulkan Gunung Agung innerhalb einer Gefahrenzone die Evakuation angeordnet, nachdem verstärkte seismische Tätigkeiten festgestellt wurden. Wie lassen sich diese Ereignisse genau einordnen und was bedeutet dies etwa für die Touristen, die just in jenem Moment Ferienzeit hatten?

Die spürbaren Erdbeben werden als Zeichen dafür gewertet, dass sich Magma den Weg nach oben bahnt und letztlich durch eine Schwachstelle entweichen wird. Der Ausbruch selbst kann unterschiedliche Kräfte freisetzen und lässt sich in folgende Produkte gliedern:

  • Austritt von giftigen Gasen
  • Erwärmung oder Austrocknung von Gewässern
  • Lawine aus heissen Gasen (pyroklastische Wolke)
  • Explosionen
  • Ascheausstoss
  • Magmaustritt

Austritt von giftigen Gasen und Gewässerveränderungen werden neben den Erschütterungen von Tieren registriert, die daraufhin flüchten. Dies kann als deutliches Warnzeichen wahrgenommen werden. In Bali flüchteten Ende September Schlangen und Affen den Berg hinunter.

Mount Rinjani auf Lombok, Indonesien ca. 750 Jahre nach einer massiven Explosion, die einen neuen Kratersee schuf

Die Gefahrenzone der Behörden orientiert sich hauptsächlich an den topographischen Begebenheiten, aber auch an der Reichweite von gefährlichem Steinschlag. Einerseits gibt es Täler, die dafür prädestiniert sind, einer pyroklastischen Wolke den Weg zu leiten und andererseits können Steine aus Explosionen ziemlich weit fliegen. Pompeii liegt 10 Kilometer vom Vesuv entfernt im Süden und wurde 79 n. Chr. aufgrund der Windrichtung von Steinen derart bombardiert, dass nur massive Bauweise, wie z.B. das Gewölbedach der Bäder den Menschen einen Schutz bieten konnte.

Gefahrenkarte für Gunung Agung, Bali, Indonesien

Falls sich eine pyroklastische Wolke nähert, ist ein Überleben nahezu unmöglich.  Im Inneren der Glutwolke herrschen Temperaturen zwischen 300 und 800 Grad Celsius. Sie können bis zu 400 km/h schnell werden und Entfernungen bis zu 60 Kilometern (und mehr) zurück legen. Das heimtückische an pyroklastischen Wolken ist, dass sie fast geräuschlos sind. Bei Nebel, oder in der Dunkelheit sind sie fast nicht wahrnehmbar. Zudem ist ihre Größe nicht vorhersehbar. Meistens suchen sie sich ihren Weg durch Täler, können wie ein Luftkissenboot aber größere Hindernisse und Geländeformationen überwinden.

Eine vulkanische Aschewolke kann gewaltige Ausmasse annehmen, sowohl in der Höhe als auch in der Breite. Im Einflussbereich einer solchen Aschewolke kann der Tag zur Nacht werden, das öffentliche Leben kommt zum erliegen und weil sich aufgrund der gewaltigen freigesetzten Energien die Wolke wie eine Gewitterwolke verhält, verwandelt Regen die feine Asche bald in einen schwere Masse, die ebenfalls Dächer zum Einstürzen bringen kann. Atmen fällt schwer und bei Einatmen droht Erstickungsgefahr. Pompeii ist wiederum ein bekanntes Beispiel für die Toten, die von Asche regelrecht eingegipst wurden

Saurer Regen als Sekundäreffekt zerstört die Vegetation und reizt Haut und Atemwege. Hungersnot kann die Folge sein. Schlammströme sind ebenfalls ein Sekundäreffekt und können auftreten, wenn Gletscher schmelzen, Kraterseen sich entleeren oder Regen die Asche als Schlammlawine zu Tal befördert. 1985 wurde so in Kolumbien eine Stadt zerstört, die 72 Kilometer vom Vulkan entfernt lag.

Ein Magmastrom fliesst meistens langsam, so dass man sich zu Fuss in Sicherheit bringen kann.

Bei Wohnsitz in der Gefahrenzone besteht die Gefahr, dass sich der Mensch an die ständige Bedrohung gewöhnt und auf zusätzliche Warnsignale des Vulkans immer abgestumpfter reagiert. Oder aber es gibt politische Gründe, die Gefahr runterzuspielen. So geschehen 1902 auf Martinique, wo es seit Wochen Asche schneite und alles ruhig blieb. Als es zur Flucht der Tiere kam und etliche Menschen durch die Masse von Insekten und giftigen Schlangen überrascht wurden, wollten sie flüchten, wurden jedoch von Regierungstruppen wieder zurückgeschickt, weil der Vulkan sicher sei. Etwa eine Woche später brach der Vulkan aus und alle Einwohner der Stadt starben durch eine pyroklastische Wolke. Einziger Überlebender war ein Gefangener, der in seinem Kerker wohl nur eine kleine Öffnung nach aussen hatte.

Als Tourist stellen sich andere Fragen. Wann bin ich sicher? Wie komme ich aus der Gefahrenzone raus? Wie komme ich wieder nach Hause?

Dank Kenntnis des Gefahrengebietes (man hat sich hoffentlich im Vorfeld über das Zielgebiet informiert) lässt sich unter Berücksichtigung der Hauptwindrichtungen die Gefahr bessere abschätzen.

Etwas schwieriger ist es, wenn kommerzielle Flüge zum Stillstand kommen, wie dies 2010 in Europa nach dem Ausbruch des isländischen Vulkanes Eyjafjallajökull während 6 Tagen der Fall war. Der Grund dafür war, dass Aschepartikel sich in Turbinen in zu Glas erhitzen und die Turbine zum Erlöschen bringen können. Allerdings braucht es dafür grosse Aschekonzentrationen und eine bestimmte Verweildauer in der Aschenwolke. Dadurch waren die Fluglinien übervorsichtig, denn eigentlich hatten die Behörden nur Instrumentenflüge untersagt. Dank Kenntnis der Ausbreitungscharakteristik von Asche in der Atmosphäre, der optischen Identifikation der verunreinigten Schicht und Verwendung von Propeller-Flugzeugen hätte dieser Misere rascher ein Ende bereitet werden können.

Somit bleibt dem Touristen im Fall der Fälle die Möglichkeit, die Reaktion der Behörden und Fluglinien zu antizipieren und einen geeigneten Flughafen aufzusuchen, der Flüge noch zulässt. Dies war 2010 beispielsweise in der Türkei der Fall, während das benachbarte Griechenland sich dem europaweiten Flugentzug anschloss.

Propellermaschinen sind von den Aschepartikeln kaum beeinträchtigt, so dass sich vielleicht auf diese Weise und über Privatpiloten eine Möglichkeit eröffnet, auf rasche Weise das betroffene Gebiet verlassen zu können. Da Bali nur durch eine Meerenge von Java getrennt ist, lässt sich diese rasch per Fähre überwinden und auf dem Landweg eine Lösung finden.

Politische und wirtschaftliche Überlegungen mögen auch 2017 wieder eine Rolle gespielt haben, dass die Behörden von Bali vorgerechnet haben, dass die touristischen Strände 75 Kilometer vom Vulkan entfernt lägen und dass 300 Busse bereitstünden, um Touristen bei Flughafenschliessung zu einem Ausweichflughafen zu bringen. Da gleichzeitig aus einem 12-Kilometerradius rund 200’000 Menschen aus der Gefahrenzone evakuiert wurden, erhalten diese Aussage eine gewisse Glaubwürdigkeit. Es ist dennoch nicht auszuschliessen, dass bei einer Flughafenschliessung zunächst einmal ein Chaos ausbricht, wo der gut bestückte Rucksack (Bug-out Bag) mit ein paar Atemmasken gute Dienste leisten kann.

Fotos von Mongabay (Gefahrenkarte) und Din Muhammad Sumon (Vulkanausbruch)

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Drohender Vulkanausbruch - was tun?
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Drohender Vulkanausbruch - was tun?
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Seit Mitte August 2017 ereigneten sich immer wieder kleine Erdbeben auf Bali. Wochen später wurde beim Vulkan Gunung Agung innerhalb einer Gefahrenzone die Evakuation angeordnet, nachdem verstärkte seismische Tätigkeiten festgestellt wurden. Wie lassen sich diese Ereignisse genau einordnen und was bedeutet dies etwa für die Touristen, die just in jenem Moment Ferienzeit hatten?

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