AHV und Auslandjahr

Da die Menschen immer länger leben, die Politik hinterherhinkt und alternative Lebensmodelle zur Anwendung kommen werden, soll hier mal untersucht werden, wie es sich mit Auslandaufenthalten und freiwilligen AHV-Beiträgen verhält.

AHV-Beitragslücken soll man vermeiden – dieses Mantra hört man in allen Ratgebern. Doch stimmt das auch?

Die Alters- und Hinterbliebenenversicherung stellt die erste Säule der schweizerischen Altersvorsorge dar, die über das Umlagerungsverfahren finanziert ist. Nur mit sämtlichen Beitragsjahren erhält man die Maximalrente, die für Einzelpersonen 2350 Franken im Monat ausmacht (Stand 2018). Weniger laut verkündet wird, dass diese Maximalrente nur kriegt, wer im Durchschnitt während allen 44 Beitragsjahren 85’000 Franken verdient hat. Dies sind in der Schweiz weniger als die Hälfte der Verdienenden.

Wir vergleichen die Situation von einem mittellosen Studenten und einem 50-jährigen Mann, die beide 2 Jahre im Ausland verbringen. Der 28-jährige Student erhält Beiträge von den Eltern und hat einen Nebenjob, wodurch sein Jahresbudget 30’000 Franken beträgt. Der 50-Jährige lebt 2 Jahre lang von seinen Ersparnissen, die einmal 100’000 und einmal 500’000 betragen. Der Student hat eine Lebenserwartung von 95 Jahren, während der heute 50-jährige darauf hoffen kann, 89 Jahre alt zu werden.

Für wen lohnen sich freiwillige AHV-Beiträge während des 2-jährigen Auslandaufenthaltes?

Student 28 J. Mann 50 J. Mann 50 J.
finanzielle Lage 30’000 Jahresbudget, kein Vermögen 100’000 Vermögen 1’000’000 Vermögen
freiwilliger AHV-Beitrag pro Jahr 1127.50 512 1947
AHV-Beiträge für 2 Jahre 2’255 1024 3894
Annahme Durchschnittsverdienst während Erwerbsleben 72’000 72’000 85’000
AHV-Minderrente aufgrund 2-jähriger Beitragslücke 99 pro Monat 99 pro Monat 107 pro Monat
Lebenserwartung ab 65 30 Jahre 24 Jahre 24 Jahre
Minderrente während gesamtem Ruhestand 30*12*99 = 35’640 24*12*99 = 28’512 24*12*107 = 30’816
Fazit lohnt sich lohnt sich lohnt sich

Erst ab einem  Vermögen von ca. 5’000’000 Franken oder Nebeneinkünften/Renten von 250’000 Franken (die mit Faktor 20 multipliziert werden)  lohnen sich freiwilligen AHV-Beiträge für Erwerbslose bei Auslandaufenthalten nicht. Dabei spielt die Dauer keine Rolle.

AHV-Beiträge für Erwerbslose in Abhängigkeit von Vermögen und Renten
AHV-Renten in Abhängigkeit von Beitragsjahren und Durchschnittseinkommen

Gründe, die gegen freiwillige Beiträge sprechen:

  • Immer mehr Junge glauben nicht daran, dass die AHV in 40 Jahren noch existieren wird
  • Das Umlagerungsverfahren ist aufgrund Überalterung in Gefahr
  • Falls die Renten nicht der Inflation angepasst werden, sind die maximal 2350 Franken in Zukunft weniger wert
  • Die individuellen Lebensumstände übersteuern die statistische Lebenserwartung

Foto von Alex Proimos auf Flickr

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Da die Menschen immer länger leben, die Politik hinterherhinkt und alternative Lebensmodelle zur Anwendung kommen werden, soll hier mal untersucht werden, wie es sich mit Auslandaufenthalten und freiwilligen AHV-Beiträgen verhält. AHV-Beitragslücken soll man vermeiden - dieses Mantra hört man in allen Ratgebern. Doch stimmt das auch?

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