Wer sich mir langfristigen Überlebensszenarien beschäftigt, wird unweigerlich aufs Thema „Gruppendynamik“ stossen. Es ist überlebenswichtig, in einer Gemeinschaft zu leben, wenn einmal kein Überfluss mehr herrscht, sondern Unsicherheit.
Bereits ein paar in der Wildnis allein verbrachte Tage lassen erahnen, wieviel Zeit es kosten kann, Nahrung, Feuerholz und Wasser zu suchen, sie gebrauchsfähig zu machen und gleichzeitig für Sicherheit, Unterschlupf, Kleidung und Werkzeuge zu sorgen und die Hygiene nicht ausser acht zu lassen.
Wildnis und Gemeinschaft werden in den USA von der Teaching Drum Schule vermischt. Seit 2000 werden dort 11-monatige Immersionsprogramme angeboten, wo 5 bis 25 Personen in der amerikanischen Seenregion von Wisconsin zusammen die Lebensweise der einheimischen Indianer kennenlernen.
2012 gab es erstmals ein Familienprogramm, woran 25 Erwachsene und 17 Kinder teilnahmen. Interessant ist es vor allem deshalb, weil zwei deutschsprachige Teilnehmer/-innen unabhängig voneinander ein Buch darüber geschrieben haben.
Eine besondere Herausforderung der Gemeinschaft ist der Hang einzelner Akteure zu Individualismus und Egoismus, die in unserer Kultur zur Hochblüte gekommen sind. Die grosse Gruppen bot weitere Herausforderungen, da demokratische Abstimmprozesse teilweise ad absurdum gepflegt wurden.
Das ganze Erlebnis kann als Experimentierfeld verstanden werden, denn Nahrungszufuhr, medizinische Versorgung und monatliche Kontakte zur Zivilisation waren trotz Wildnisimmersion sichergestellt. Gruppendynamische Prozesse wurden bewusst angestossen oder führerlos gehalten. Somit konnte aufgezeigt werden, wie sich das Zusammenleben mit einigen simplem Kommunikationstechniken verbessert.
David, ein Teilnehmer aus dem Jahr 2001 berichtet über dieses Erlebnis (Blog „The Edge of Grace“) und dessen Langzeiteffekte und -kritik (2010 und 2014)
Diese Erlebnisse können den Anstoss geben, bei jeglichen Aktivitäten bewusst die Gemeinschaft zu wählen und eigenbrötlerisches Verhalten zu überdenken.
(Foto von Zachary Collier auf Flickr)