{"id":392,"date":"2017-10-14T23:59:03","date_gmt":"2017-10-14T21:59:03","guid":{"rendered":"http:\/\/schweizer.pm\/?p=392"},"modified":"2018-03-09T10:34:26","modified_gmt":"2018-03-09T09:34:26","slug":"drohender-vulkanausbruch-was-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schweizer.pm\/pri\/2017\/drohender-vulkanausbruch-was-tun\/","title":{"rendered":"Drohender Vulkanausbruch &#8211; was tun?"},"content":{"rendered":"<p>Seit Mitte August 2017 ereigneten sich immer wieder kleine Erdbeben auf Bali. Am 19. September\u00a0wurde beim Vulkan Gunung Agung innerhalb einer Gefahrenzone die Evakuation angeordnet, nachdem verst\u00e4rkte seismische T\u00e4tigkeiten festgestellt wurden. Wie lassen sich diese Ereignisse genau einordnen und was bedeutet dies etwa f\u00fcr die Touristen, die just in jenem Moment Ferienzeit hatten?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die sp\u00fcrbaren Erdbeben werden als Zeichen daf\u00fcr gewertet, dass sich Magma den Weg nach oben bahnt und letztlich durch eine Schwachstelle entweichen wird. Der Ausbruch selbst kann unterschiedliche Kr\u00e4fte freisetzen und l\u00e4sst sich in folgende Produkte gliedern:<\/p>\n<ul>\n<li>Austritt von giftigen Gasen<\/li>\n<li>Erw\u00e4rmung oder Austrocknung\u00a0von Gew\u00e4ssern<\/li>\n<li>Lawine aus heissen Gasen (pyroklastische Wolke)<\/li>\n<li>Explosionen<\/li>\n<li>Ascheausstoss<\/li>\n<li>Magmaustritt<\/li>\n<\/ul>\n<p>Austritt von giftigen Gasen und Gew\u00e4sserver\u00e4nderungen werden neben den Ersch\u00fctterungen von Tieren registriert, die daraufhin fl\u00fcchten. Dies kann als deutliches Warnzeichen wahrgenommen werden. In Bali fl\u00fcchteten Ende September Schlangen und Affen den Berg hinunter.<\/p>\n<figure id=\"attachment_397\" aria-describedby=\"caption-attachment-397\" style=\"width: 464px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"397\" data-permalink=\"https:\/\/schweizer.pm\/pri\/2017\/drohender-vulkanausbruch-was-tun\/rinjani\/#main\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/schweizer.pm\/pri\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Rinjani.jpg?fit=2048%2C761&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"2048,761\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Rinjani\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Mount Rinjani ca. 750 Jahre nach einer massiven Explosion, die einen neuen Kratersee schuf&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/schweizer.pm\/pri\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Rinjani.jpg?fit=300%2C111&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/schweizer.pm\/pri\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Rinjani.jpg?fit=1024%2C381&amp;ssl=1\" class=\"wp-image-397 size-large\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/schweizer.pm\/pri\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Rinjani-1024x381.jpg?resize=474%2C176\" alt=\"\" width=\"474\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/schweizer.pm\/pri\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Rinjani.jpg?resize=1024%2C381&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/schweizer.pm\/pri\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Rinjani.jpg?resize=300%2C111&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/schweizer.pm\/pri\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Rinjani.jpg?resize=768%2C285&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/schweizer.pm\/pri\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Rinjani.jpg?w=2048&amp;ssl=1 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-397\" class=\"wp-caption-text\">Mount Rinjani auf Lombok, Indonesien ca. 750 Jahre nach einer massiven Explosion, die einen neuen Kratersee schuf<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Gefahrenzone der Beh\u00f6rden orientiert sich haupts\u00e4chlich an den topographischen Begebenheiten, aber auch an der Reichweite von gef\u00e4hrlichem Steinschlag. Einerseits gibt es T\u00e4ler, die daf\u00fcr pr\u00e4destiniert sind, einer pyroklastischen Wolke den Weg zu leiten und andererseits k\u00f6nnen Steine aus Explosionen\u00a0ziemlich weit fliegen. Pompeii liegt 10\u00a0Kilometer vom Vesuv entfernt im S\u00fcden und wurde 79 n. Chr. aufgrund der Windrichtung von Steinen derart bombardiert, dass nur massive Bauweise, wie z.B. das Gew\u00f6lbedach der B\u00e4der den Menschen einen Schutz bieten konnte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_395\" aria-describedby=\"caption-attachment-395\" style=\"width: 464px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"395\" data-permalink=\"https:\/\/schweizer.pm\/pri\/2017\/drohender-vulkanausbruch-was-tun\/peta-desa-terdampak-gunung-agung\/#main\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/schweizer.pm\/pri\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/peta-desa-terdampak-gunung-agung.jpg?fit=904%2C1280&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"904,1280\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"peta-desa-terdampak-gunung-agung\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/schweizer.pm\/pri\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/peta-desa-terdampak-gunung-agung.jpg?fit=212%2C300&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/schweizer.pm\/pri\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/peta-desa-terdampak-gunung-agung.jpg?fit=723%2C1024&amp;ssl=1\" class=\"wp-image-395 size-large\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/schweizer.pm\/pri\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/peta-desa-terdampak-gunung-agung-723x1024.jpg?resize=474%2C671\" alt=\"\" width=\"474\" height=\"671\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/schweizer.pm\/pri\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/peta-desa-terdampak-gunung-agung.jpg?resize=723%2C1024&amp;ssl=1 723w, https:\/\/i0.wp.com\/schweizer.pm\/pri\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/peta-desa-terdampak-gunung-agung.jpg?resize=212%2C300&amp;ssl=1 212w, https:\/\/i0.wp.com\/schweizer.pm\/pri\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/peta-desa-terdampak-gunung-agung.jpg?resize=768%2C1087&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/schweizer.pm\/pri\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/peta-desa-terdampak-gunung-agung.jpg?w=904&amp;ssl=1 904w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-395\" class=\"wp-caption-text\">Gefahrenkarte f\u00fcr Gunung Agung, Bali, Indonesien<\/figcaption><\/figure>\n<p>Falls sich eine pyroklastische Wolke n\u00e4hert, ist ein \u00dcberleben nahezu unm\u00f6glich. \u00a0Im Inneren der Glutwolke herrschen Temperaturen zwischen 300 und 800 Grad Celsius. Sie k\u00f6nnen bis zu 400 km\/h schnell werden und Entfernungen bis zu 60 Kilometern (und mehr) zur\u00fcck legen. Das heimt\u00fcckische an pyroklastischen\u00a0Wolken\u00a0ist, dass sie fast ger\u00e4uschlos sind. Bei Nebel, oder in der Dunkelheit sind sie fast nicht wahrnehmbar. Zudem ist ihre Gr\u00f6\u00dfe nicht vorhersehbar. Meistens suchen sie sich ihren Weg durch T\u00e4ler, k\u00f6nnen wie ein Luftkissenboot aber gr\u00f6\u00dfere Hindernisse und Gel\u00e4ndeformationen \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Eine vulkanische Aschewolke kann gewaltige Ausmasse annehmen, sowohl in der H\u00f6he als auch in der Breite. Im Einflussbereich einer solchen Aschewolke kann der Tag zur Nacht werden, das \u00f6ffentliche Leben kommt zum erliegen und weil sich aufgrund der gewaltigen freigesetzten Energien die Wolke wie eine Gewitterwolke verh\u00e4lt, verwandelt Regen die feine Asche bald in einen schwere Masse, die ebenfalls D\u00e4cher zum Einst\u00fcrzen bringen kann. Atmen f\u00e4llt schwer und bei Einatmen droht Erstickungsgefahr. Pompeii ist wiederum ein bekanntes Beispiel f\u00fcr die Toten, die von Asche regelrecht eingegipst wurden<\/p>\n<p>Saurer Regen als Sekund\u00e4reffekt zerst\u00f6rt die Vegetation\u00a0und reizt Haut und Atemwege. Hungersnot kann die Folge sein. Schlammstr\u00f6me sind ebenfalls ein Sekund\u00e4reffekt und k\u00f6nnen auftreten, wenn Gletscher schmelzen, Kraterseen sich entleeren oder Regen die Asche als Schlammlawine zu Tal bef\u00f6rdert. 1985 wurde so in Kolumbien eine Stadt zerst\u00f6rt, die 72 Kilometer vom Vulkan entfernt lag.<\/p>\n<p>Ein Magmastrom fliesst meistens langsam, so dass man sich zu Fuss in Sicherheit bringen kann.<\/p>\n<p>Bei Wohnsitz in der Gefahrenzone besteht die Gefahr, dass sich der Mensch an die st\u00e4ndige Bedrohung gew\u00f6hnt und auf zus\u00e4tzliche Warnsignale des Vulkans immer abgestumpfter reagiert. Oder aber es gibt politische Gr\u00fcnde, die Gefahr runterzuspielen. So geschehen 1902 auf Martinique, wo es seit Wochen Asche schneite und alles ruhig blieb. Als es zur Flucht der Tiere kam und etliche Menschen durch die Masse von Insekten und giftigen Schlangen \u00fcberrascht wurden, wollten sie fl\u00fcchten, wurden jedoch von Regierungstruppen wieder zur\u00fcckgeschickt, weil der Vulkan sicher sei. Etwa eine Woche sp\u00e4ter brach der Vulkan aus und alle Einwohner der Stadt starben durch eine pyroklastische Wolke. Einziger \u00dcberlebender war ein Gefangener, der in seinem Kerker wohl nur eine kleine \u00d6ffnung nach aussen hatte.<\/p>\n<p>Als Tourist stellen sich andere Fragen. Wann bin ich sicher? Wie komme ich aus der Gefahrenzone raus? Wie komme ich wieder nach Hause?<\/p>\n<p>Dank Kenntnis des Gefahrengebietes (man hat sich hoffentlich im Vorfeld \u00fcber das Zielgebiet informiert) l\u00e4sst sich unter Ber\u00fccksichtigung der Hauptwindrichtungen die Gefahr bessere absch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Etwas schwieriger ist es, wenn kommerzielle Fl\u00fcge zum Stillstand kommen, wie dies 2010 in Europa nach dem Ausbruch des isl\u00e4ndischen Vulkanes Eyjafjallaj\u00f6kull w\u00e4hrend 6 Tagen der Fall war. Der Grund daf\u00fcr war, dass Aschepartikel sich in Turbinen\u00a0in zu Glas erhitzen und die Turbine zum Erl\u00f6schen bringen k\u00f6nnen. Allerdings braucht es daf\u00fcr grosse Aschekonzentrationen und eine bestimmte Verweildauer in der Aschenwolke. Dadurch waren die Fluglinien \u00fcbervorsichtig, denn eigentlich hatten die Beh\u00f6rden nur Instrumentenfl\u00fcge untersagt. Dank Kenntnis der Ausbreitungscharakteristik von Asche in der Atmosph\u00e4re, der optischen Identifikation der verunreinigten Schicht und Verwendung von Propeller-Flugzeugen h\u00e4tte dieser Misere rascher ein Ende bereitet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Somit bleibt dem Touristen im Fall der F\u00e4lle die M\u00f6glichkeit, die Reaktion der Beh\u00f6rden und Fluglinien zu antizipieren und einen geeigneten Flughafen aufzusuchen, der Fl\u00fcge noch zul\u00e4sst. Dies war 2010 beispielsweise in der T\u00fcrkei der Fall, w\u00e4hrend das benachbarte Griechenland sich dem europaweiten Flugentzug anschloss.<\/p>\n<p>Propellermaschinen sind von den Aschepartikeln kaum beeintr\u00e4chtigt, so dass sich vielleicht auf diese Weise und \u00fcber Privatpiloten eine M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, auf rasche Weise das betroffene Gebiet verlassen zu k\u00f6nnen. Da Bali nur durch eine Meerenge von Java getrennt ist, l\u00e4sst sich diese rasch per F\u00e4hre \u00fcberwinden und auf dem Landweg eine L\u00f6sung finden.<\/p>\n<p>Politische und wirtschaftliche \u00dcberlegungen m\u00f6gen auch 2017 wieder eine Rolle gespielt haben, dass die Beh\u00f6rden von Bali vorgerechnet haben, dass die touristischen Str\u00e4nde 75 Kilometer vom Vulkan entfernt l\u00e4gen und dass 300 Busse bereitst\u00fcnden, um Touristen bei Flughafenschliessung zu einem Ausweichflughafen zu bringen. Da gleichzeitig aus einem 12-Kilometerradius rund 200&#8217;000 Menschen aus der Gefahrenzone evakuiert wurden, erhalten diese Aussage eine gewisse Glaubw\u00fcrdigkeit. Es ist dennoch nicht auszuschliessen, dass bei einer Flughafenschliessung zun\u00e4chst einmal ein Chaos ausbricht, wo der gut best\u00fcckte Rucksack (Bug-out Bag) mit ein paar Atemmasken gute Dienste leisten kann.<\/p>\n<p>Fotos von <a href=\"http:\/\/www.mongabay.co.id\">Mongabay <\/a>(Gefahrenkarte) und <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/dmsumon\/\">Din Muhammad Sumon <\/a>(Vulkanausbruch)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Mitte August 2017 ereigneten sich immer wieder kleine Erdbeben auf Bali. Am 19. September\u00a0wurde beim Vulkan Gunung Agung innerhalb einer Gefahrenzone die Evakuation angeordnet, nachdem verst\u00e4rkte seismische T\u00e4tigkeiten festgestellt wurden. 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