Tierische Notnahrung

In unse­rer ange­stamm­ter Lebens­weise kommen wir eher dazu, einem garten­fri­schen Kopf­sa­lat das zarte Herz zu entneh­men, als ein ausge­wach­se­nes Tier aufzu­bre­chen.  Doch im Notfall soll­ten wir auf alle verfüg­ba­ren Kalo­rien zurück­grei­fen können. Da Pflan­zen rela­tiv ener­gie­arm sind, mit Ausnahme von extrem stär­ke­hal­ti­gen Teilen wie ölha­lige Samen, Getrei­de­kör­ner oder Wurzeln, liegt die Rettung vor dem Verhun­gern bei den tieri­schen Kalo­rien.

Aufwand

Tiere aktiv zu jagen, kann einen enor­men Ener­gie­ein­satz bedin­gen. Wenn dieser grös­ser ist, als das erbeu­tete Tier zur Verfü­gung stel­len kann, resul­tiert netto ein Ener­gie­ver­lust. Hier wäre man also besser gefah­ren, auf die kräf­te­zeh­rende Akti­vi­tät zu verzich­ten.

Mit Gewehr und Ziel­fern­rohr lässt sich der Aufwand stark redu­zie­ren. Aller­dings sind die zurück­ge­leg­ten Wegstre­cken auf der Jagd teil­weise beträcht­lich und das Gross­wild muss irgend­wann ins entfernte Camp getra­gen werden.

Fallen­stel­len ist eine ressour­cen­scho­nen­dere Methode, sofern nicht grosse Löcher gebud­delt oder enorme Mengen an Steine und Holz dislo­ziert werden müssen. Auch hier sind beträcht­li­che Wegstre­cken zurück­zu­le­gen.

Die einfachste Methode ist das Einsam­meln. Maden im Totholz, Frösche im Teich, Gril­len auf der Wiese, Mäuse und Ratten auf Äckern, Fische im halb-ausge­trock­ne­ten Wasser­loch, verun­fallte Tiere neben der Strasse (siehe dazu die gesetz­li­che Situa­tion).

Ertrag

In einer Über­fluss­si­tua­tion essen z.B. Bären bloss den fett­hal­tigs­ten Teil der Lachse. Doch im Prin­zip lässt sich vom Tier neben Muskel­fleisch fast alles verspei­sen: Blut, Inne­reien, Gehirn, Rücken­mark, Kopf, Haut, Fett, Knochen­mark – frei nach dem Motto, dass in der Not der Teufel auch Flie­gen frisst.

Teil­weise bestehen grosse Untrer­schiede im Geschmack von jungen und alten, männ­li­chen und weib­li­chen Tiere. Während eine weib­li­che Ratte dem einen Kandi­da­ten wie Huhn schmeckte, tat sich ein ande­rer Kandi­dat extrem schwer am Ratte­rich. Eine Made aus dem morschen Holz schmeckt ebenso, was sich bei  der Ratte aus der Kana­li­sa­tion oder der mit Thun­fisch gefüt­ter­ten Katze  wieder­holt.

Mehr als 50% des Kalo­ri­en­be­dar­fes mit Fleisch zu decken, kann zu soge­nann­tem Kanin­chen­hun­ger führen, wenn der Körper mit der Verdau­ung der Prote­ine über­for­dert ist und mit Heiss­hun­ger, Müdig­keit, Durch­fall, Übel­keit oder Kopf­schmer­zen reagiert. Somit sind Fett, fett­hal­tige Stücke und Fleisch die besten Körper­teile.

Reihenfolge des Verzehrs

Damit nichts verdirbt und die Kalo­rien opti­mal konsu­miert werden, gibt es eine Reihen­fol­ges des Verzehrs, die von der Halt­bar­keit des jewei­li­gen Körper­teils diktiert wird.

  1. Blut
  2. Kopf
  3. Organe
  4. Fett
  5. Fleisch
  6. Haut und Knochen(-mark)

Totes Tier essen

Wenn ein totes Tier in der Natur gefun­den wird, sagt der gesun­des Menschen­ver­stand, dass es liegen gelass­sen werden soll. Risi­ken wie über­trag­bare Krank­hei­ten und bakte­ri­elle Vergif­tun­gen lassen den Verzehr von toten Tieren gänz­lich unat­trak­tiv erschei­nen. Der Leiter der kana­di­schen Wild­nis­schule “Teaching Drum” setzt den Teil­neh­mern regel­mäs­sig Tiere vor, die auf der Strasse verun­fallt sind. Er hat dabei folgen­des Konzept entwi­ckelt, wie die Essbar­keit analy­siert werden kann (hier bloss grob wieder­ge­ge­ben)

  • Todes­ur­sa­che iden­ti­fi­zie­ren: Unfall, Krank­hei­ten, Alter
  • Todes­zeit­punkt fest­stel­len: frischer ist besser (Flöhe sind gut, denn sie bedeu­ten kürz­li­chen Tod)
  • Geruch: verrot­ten­des Fleisch meiden, Fleisch­stü­cke trim­men bis Geruch besser wird.
  • Maden sind irrele­vant, ihre Anwe­se­nen­heit bedeu­tet weder, dass das Fleisch verdor­ben ist, noch das Gegen­teil
  • Aufge­ris­se­ner Darm oder Galle ist irrele­vant, wenn gewa­schene Fleisch­stü­cke geniess­bar riechen
  • Fleisch­farbe: rot ist gut, braune Stel­len abschnei­den und für spätere Notsi­tua­tio­nen aufbe­wah­ren.

Tot gefun­dene Tiere nie roh essen, entwe­der 10 min kochen oder über dem Feuer braten, bis innerste Fleisch­teile nicht länger als 1–2 Sekun­den berührt werden können.

Quelle: Extreme Survi­val Meat 2015 (Tama­rack Song, ISBN 978–0‑9894737–1‑2)

Foto von Frank Huang auf Flickr

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Tierische Notnahrung
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Tieri­sche Notnah­rung
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In unse­rer ange­stamm­ter Lebens­weise kommen wir eher dazu, einem garten­fri­schen Kopf­sa­lat das zarte Herz zu entneh­men, als ein ausge­wach­se­nes Tier aufzu­bre­chen. Doch im Notfall soll­ten wir auf alle verfüg­ba­ren Kalo­rien zurück­grei­fen können.

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