Gruppendynamik – denn ein Mann ist kein Mann

Wer sich mir lang­fris­ti­gen Über­le­bens­sze­na­rien beschäf­tigt, wird unwei­ger­lich aufs Thema “Grup­pen­dy­na­mik” stos­sen. Es ist über­le­bens­wich­tig, in einer Gemein­schaft zu leben, wenn einmal kein Über­fluss mehr herrscht, sondern Unsi­cher­heit.

Bereits ein paar in der Wild­nis allein verbrachte Tage lassen erah­nen, wieviel Zeit es kosten kann, Nahrung, Feuer­holz und Wasser zu suchen, sie gebrauchs­fä­hig zu machen und gleich­zei­tig für Sicher­heit, Unter­schlupf, Klei­dung und Werk­zeuge zu sorgen und die Hygiene nicht ausser acht zu lassen.

Wild­nis und Gemein­schaft werden in den USA von der Teaching Drum Schule vermischt. Seit 2000 werden dort 11-mona­tige Immer­si­ons­pro­gramme ange­bo­ten, wo 5 bis 25 Perso­nen in der ameri­ka­ni­schen Seen­re­gion von Wiscon­sin zusam­men die Lebens­weise der einhei­mi­schen India­ner kennen­ler­nen.

2012 gab es erst­mals ein Fami­li­en­pro­gramm, woran 25 Erwach­sene und 17 Kinder teil­nah­men. Inter­es­sant ist es vor allem deshalb, weil zwei deutsch­spra­chige Teil­neh­mer/-innen unab­hän­gig vonein­an­der ein Buch darüber geschrie­ben haben.

  • Wild­nis­fa­mi­lie: Ein Jahr leben wie ein Natur­volk (2013)
  • Eine Fami­lie zieht in die Wild­nis (2014)

Eine beson­dere Heraus­for­de­rung der Gemein­schaft ist der Hang einzel­ner Akteure zu Indi­vi­dua­lis­mus und Egois­mus, die in unse­rer Kultur zur Hoch­blüte gekom­men sind. Die grosse Grup­pen bot weitere Heraus­for­de­run­gen, da demo­kra­ti­sche Abstimm­pro­zesse teil­weise ad absur­dum gepflegt wurden.

Das ganze Erleb­nis kann als Expe­ri­men­tier­feld verstan­den werden, denn Nahrungs­zu­fuhr, medi­zi­ni­sche Versor­gung und monat­li­che Kontakte zur Zivi­li­sa­tion waren trotz Wild­nis­im­mer­sion sicher­ge­stellt. Grup­pen­dy­na­mi­sche Prozesse wurden bewusst ange­stos­sen oder führer­los gehal­ten. Somit konnte aufge­zeigt werden, wie sich das Zusam­men­le­ben mit eini­gen simp­lem Kommu­ni­ka­ti­ons­tech­ni­ken verbes­sert.

David, ein Teil­neh­mer aus dem Jahr 2001 berich­tet über dieses Erleb­nis (Blog “The Edge of Grace”) und dessen Lang­zeit­ef­fekte und ‑kritik (2010 und 2014)

Diese Erleb­nisse können den Anstoss geben, bei jegli­chen Akti­vi­tä­ten bewusst die Gemein­schaft zu wählen und eigen­bröt­le­ri­sches Verhal­ten zu über­den­ken.

(Foto von Zachary Collier auf Flickr)

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