6 Fragen an Jenn und Lluís, Bangkok bis Barcelona zu Fuss

Wir begin­nen eine lose Folge von Inter­views mit ausser­ge­wöhn­li­chen Menschen, die an die Gren­zen gehen. Den Anfang machen Jenn und Lluís, die  ihren 14’000-Kilometer Marsch von Bang­kok nach Barce­lona im Januar 2016 begon­nen haben. Ihr Ziel ist es, das Gute in der Welt draus­sen zu sehen und gütige Leute unter­wegs zu tref­fen – einen Schritt nach dem ande­ren.

Dieses Email-Inter­view haben Sie gege­ben, als sie nach 3 Mona­ten in Myan­mar waren. Sie marschie­ren noch immer und erwar­ten, etwa 2018 zuhause einzu­tref­fen.

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Wir sind schon lange Zeit zusam­men, doch dieser Marsch hat uns auf neue Art getes­tet.”

1. Wie habt Ihr Nahrung und Wasser beschafft?

In Thai­land und Myanmar/Burma, den ersten beiden Ländern die wir durch­wan­der­ten, war es rela­tiv einfach. Wir haben unsere Route auf der Basis des Nach­schu­bes gewählt. So sind wir den Stras­sen gefolgt, welche die Dörfer und Städte verbin­den. Wir mögen diese Stras­sen zwar nicht, doch brau­chen wir alle paar Kilo­me­ter Nahrung und Wasser. In Thai­land und Myan­mar gibt es fast über­all kleine Städte und Leute, was es uns leicht gemacht hat, zu essen und trin­ken, was unsere Körper brauch­ten.

Natür­lich werden wir in allen Regio­nen und Länder, die wir noch durch­wan­dern werden, andere Umstände antref­fen. Wir werden uns daran anpas­sen müssen.  Wir wissen noch nicht, wie sich das entwi­ckeln wird, doch wir tragen Wasser­rei­ni­gungs­mit­tel und -filter mit uns, die wir vermut­lich noch häufi­ger brau­chen werden.

2.  Wie habt Ihr Euch täglich vor Witterung geschützt?

Bis jetzt hatten wird Glück – wir wurden von Kälte und Regen verschont. Doch wir haben Mate­rial dabei, das uns schützt wie  Regen­pon­chos, Wind­ja­cken, Hand­schuhe, leichte Hüte,  Hals­tü­cher und dünne Woll­pull­over, die im Zwie­bel­scha­len­prin­zip getra­gen werden können, wenn nötig.

Wir waren fast täglich star­ker Sonnen­ein­strah­lung und Hitze ausge­setzt. So heiss es auch sein mag, wir tragen langärm­lige Hemden mit Kragen, lange Hosen, Sonnen­hüte und Sonnen­bril­len. Jenn hat sich sogar aus alten Hemds­är­meln Hand­schütze gebas­telt, die ihre Hand­ge­lenke bede­cken. Wir benut­zen auch Sonnen­crème für unsere Gesich­ter.

Auch stehen wir um 4 Uhr früh auf und begin­nen um 5 Uhr zu marschie­ren, wodurch wir während uns unge­fähr 1.5 Stun­den im Dunkeln und in der morgen­küh­len Luft aufhal­ten können. Wir wande­ren bis etwa 11 Uhr, wann es jeweils um die 40° C heiss wird und uns zwingt, die Sonne zu meiden. Wir trin­ken dann viel Wasser im Schat­ten und ab 14 oder 15 Uhr wandern wir wieder los bis Sonnen­un­ter­gang.

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3. Wie habt Ihr jeweils Energie getankt?

(Hier weichen die Antwor­ten von Jenn und Lluís ab)
Jenn: Neben den langen Mittags­pau­sen stop­pen wir manch­mal unter­wegs für 5 bis 15 Minu­ten und stre­cken uns von Kopf bis Fuss. Einige Minu­ten während des Tages oder kurz vor dem Einschla­fen mache ich gerne einige Yoga­deh­nun­gen, eine kurze Medi­ta­tion oder unter­schied­li­che Atem­übun­gen.  Vögel oder Musik entspan­nen mich eben­falls – während den strengs­ten Stun­den des Tages gönne ich mir einige Songs vom MP3-Spie­ler und benutze die Musik, um mich von nega­ti­ven Gedan­ken zu tren­nen oder meinen müden Körper mit Ener­gie zu versor­gen.

Zusätz­lich zum Schrei­ben und Tage­buch-führen habe ich einige Farb­stifte und ein klei­nes Malbuch für Erwach­sene;  Zeich­nen und Ausma­len helfen mir, mich krea­tiv und einfalls­reich zu fühlen.

Unser Schlafryth­mus in in Thai­land war anders als in Myan­mar. Thai­land war weni­ger heiss und wir hatten nie ein Problem, eine Über­nach­tungs­ge­le­gen­heit (Camping, Tempel, Guest­house) zu finden. Norma­ler­weise konn­ten wir unsere Tages­stre­cke am frühen Nach­mit­tag been­den und hatten mehrere Stun­den, um den Ort zu erkun­den, wo wir über­nach­ten würden und Tage­buch zu führen oder uns einfach nur zu erho­len.

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In Myan­mar ist es im momen­ta­nen Entwick­lungs­stand jede Nacht proble­ma­tisch, einen siche­ren Platz zum Über­nach­ten zu finden. Homestay ist nicht erlaubt, es hat sehr wenige Guest­hou­ses und Campie­ren ist ille­gal.  Das war täglich eine grosse Heraus­for­de­rung und wir muss­ten deshalb bis Sonnen­un­ter­gang marschie­ren. Wir konn­ten unser Zelt nicht ausser Sicht­weite aufstel­len, bevor es dunkel war.

Lluís: Bei mir war’s gleich, was Pausen und Stret­ching betrifft. Ich benutze keine Musik, Bücher oder Ausma­len, sondern mein Körper scheint soweit ziem­lich effi­zi­ent zu sein und funk­tio­niert gut mit etwas Nahrung, Wasser und ein paar Stun­den Tief­schlaf. Vögeln zuzu­hö­ren, Blumen zu riechen, die Natur zu genies­sen, Bäume zu bewun­dern, das Leben um uns herum wahr­zu­neh­men und die Leute lächeln sehen, welchen wir begeg­nen, nährt mich und gibt mir Ener­gie.

4. Welches waren die drei grössten Herausforderungen und wie habt Ihr sie gemeistert?

Lluís:  1. Wie sag’ ich’s meinen Eltern? Es war sehr schwer, ihnen mitzu­tei­len, dass wir auf diesen lange Reise gehen. Es war schwie­rig, aber ich habe mit ihnen mit viel Liebe und Verständ­nis gespro­chen.  Zum Glück unter­stüt­zen sie es und wissen, was Reisen im Allge­mei­nen und insbe­son­dere dieser Trip mir bedeu­ten. Aber es bleibt meine grösste Heraus­for­de­rung.

Jenn: 2. Mit meinen star­ken Schul­ter­schmer­zen umzu­ge­hen. Ich wollte diese Reise mit einem 35-Liter Ruck­sack star­ten, den ich mag und vorher viele Jahre lang auf meinen Reisen  benutzt hatte. Zusätz­lich expe­ri­men­tierte ich mit eini­gen Tages­ruck­sä­cken, um zusätz­li­ches Wasser vorne zu tragen. Doch es war die falsche Stra­te­gie gemes­sen am Gewicht, das ich für so viele Stun­den zu tragen hatte. Nach etwa 8 Wochen hatte ich das Gefühl, dass ich Muskeln und Nerven in meiner linken Schul­ter geschä­digt hatte und ich dachte mehr als einmal daran, dass ich diesen Trip abbre­chen würde.

Als wir nach Bang­kok fuhren, um das Visum zu erneu­ern, kaufte ich mir neuen Ruck­sack und neuen Tages­ruck­sack. Ich habe einige Ausrüs­tungs­ge­gen­stände ausge­wech­selt und den alten Ruck­sack zusam­men mit eini­gen Dingen nach Hause geschickt, die ich nicht mehr mit gutem Grund tragen konnte. Ich habe den Ruck­sa­ckes anders gepackt und expe­ri­men­tiert, was meinem Körper am besten passt. Mit Thai-Massa­gen habe ich die Schmerz­punkte thera­piert. Jetzt ist mein Ruck­sack einige Kilo leich­ter, doch was am noch mehr  gehol­fen hat, war der brei­ter Hüft­gurt und die brei­te­ren Schul­ter­rie­men. Damit wird das Gewicht anders verteilt.

Jenn & Lluís: 3. Heraus­zu­fin­den, was diese Reise uns indi­vi­du­ell bedeu­tet, wie mit unse­ren Unter­schie­den und Erwar­tun­gen umzu­ge­hen und eine gemein­same Basis zu kreieren, um gemein­sam vorwärts­mar­schie­ren zu können. Das ist eine konstante Heraus­for­de­rung, da wir beide ziem­lich unab­hän­gig sind. Wir spre­chen täglich darüber und stel­len so sicher, dass wir beide am selben Strick ziehen.  Wir passen uns dabei so gut wie möglich an, um sicher­zu­stel­len, dass beide zufrie­den sind. Wir sind schon lange Zeit zusam­men, doch dieser Marsch hat uns auf neue Art getes­tet und es ist ganz anders, als in unse­rem “norma­len” Leben in Cata­lo­nien zusam­men­zu­le­ben.

5. Welche Werkzeuge haben Euch am meisten unterstützt, um Euer Ziel zu erreichen?

Lluís: Durch­hal­te­ver­mö­gen und Lächeln

Jenn: Einver­stan­den, ein Lächeln trägt weit und ist das einfachste, billigste Werk­zeug, das wir in unse­rer Werk­zeug­kiste haben. Es ist beson­ders brauch­bar, wenn wir durch ande­rer Leute Leben marschie­ren und Kultur­räume durch­que­ren.

Ich möchte noch anfü­gen, dass das Teppich­mes­ser mit Kera­mik­klinge viel brauch­ba­rer ist, als ich je erwar­tet hätte. Was zunächst ein Impuls­kauf einige Tage vor Abreise aus Barce­lona war, hat sich bewährt, um Schnur zu schnei­den oder Ingwer für Tee zu schei­beln 🙂

6. Was habt Ihr dabei gelernt?

Es ist kein Lernen, sondern mehr eine Bestä­ti­gung. Die Welt ist voller netter, güti­ger und gross­zü­gi­ger Leute. Wir erkun­den die Welt und suchen das Gute in Menschen, und wir hatten bis jetzt Glück. Im Allge­mei­nen sehen wir auch, dass wir alle uns viel ähnli­cher sind als wir uns unter­schei­den, egal wo auf dem Plane­ten wir uns befin­den.

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6 Fragen an Jenn und Lluís, Bangkok bis Barcelona zu Fuss
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6 Fragen an Jenn und Lluís, Bang­kok bis Barce­lona zu Fuss
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Wir begin­nen eine lose Folge von Inter­views mit ausser­ge­wöhn­li­chen Menschen, die an die Gren­zen gehen. Den Anfang machen Jenn und Lluís, die ihren 14’000-Kilometer Marsch von Bang­kok nach Barce­lona im Januar 2016 begon­nen haben.

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